Die doppelte Zeitreise

Was macht der vernerdete Mensch, wenn seine HD-Konsole den Geist aufgegeben hat? Zwischen Verzweiflung und Beschäftigungsnot tat sich die Möglichkeit auf, ein paar Konsolengenerationen zurückzuspringen. Ein weiter Sprung, denn von Polygonvielfalt und hochauflösenden Texturen ging es zurück in die 16-Bit-Ära. Mit dem SNES (Super Nintendo Entertainment System), oder auch Super Nintendo und dem Japano-Rollenspiel Chrono Trigger.

Chrono Trigger

Nach mehrfachen Empfehlungen und dem Ruf als “eines der geilsten Spiele die es überhaupt gibt, alter!” musste ich mich auch mal selbst an die Knöpfe setzen.
Nach einem eher zähen Start und vielen Fragezeichen auf der Stirn, entfaltete sich das Spiel zu einem komplexen, herrlich stimmungsvollen und süchtig machenden Rollenspiel.

Story
Die Rahmenhandlung mal kurz und stark vereinfacht dargestellt: Der Held (Crono) trifft in der Gegenwart eine Prinzessin, die durch einen Unfall in die Vergangenheit geschickt wird. Wem passiert das nicht? Crono reist ihr nach und findet wiederum in der Zukunft heraus, dass die vergangene Zukunft von einer bösen Macht bedroht wird. Darum versucht die Gruppe, die sich während des Spielverlaufs um weitere skurrile Charaktere erweitert, in der Vergangenheit das Unheil abzuwenden. Okay, ich muss zugeben, dass diese Inhaltsangabe schon sehr konfus ist, aber während des Spiels versteht man es, versprochen.
Das Tor zur Zeit

Kampfsystem
Genau das ist für mich das Herzstück und zugleich Suchtfaktor des ganzen Spiels. Chrono Trigger kommt ohne die bei JRPGS gern verwendeten Zufallskämpfe aus, auch wenn man manchen Kämpfen nicht aus dem Weg gehen kann. Meistens jedoch sind die Gegner vorher sichtbar und es kommt erst bei einem Kontakt zum Kampf.
Das System ist rundenbasiert, auf Wunsch aber mit Zeitlimit, sodass Feinde nicht zögern, euch eins überzubraten wenn ihr tatenlos dasteht. Ansonsten gibt es Altbewährtes: Ein Balken füllt sich, ihr könnt Angreifen. Der Clou ist, dass für jeden Charakter spezielle Techniken verwendet und miteinander kombiniert werden können, was dem Spieler mehr Taktik abverlangt, besonders bei den Bossgegnern. Magie darf natürlich auch nicht fehlen, manche Gegner lassen sich nur mit Hokuspokus schlagen.
So einfach die Idee des Kampfsystems ist, so genial ist es umgesetzt. Durch die Draufsicht und die Bewegung im Kampf müssen immer wieder verschiedene Strategien angewendet werden. Stehen drei Gegner beispielsweise in einer Linie, kann man mit einer speziellen Fertigkeit alle zugleich mit einem Angriff treffen, um mal eine einfache Möglichkeit zu nennen.
Hochmotiviert stelle ich mich also jedem Kampf, taktiere, probiere Combos aus und stelle mich den Bossviechern. Frust kam dabei noch nicht auf, jedenfalls noch keiner bei dem man sein Gamepad vertilgen möchte. Ich ging bisher immer optimistisch in die Kämpfe, denn die Lernkurve ist äußerst gut gelungen. Eine runde Sache, was die Leute von Square da entwickelt haben.
Auf die Nuss!

Grafik
Gut, 1995, 16-Bit. Wer jetzt schreit: “So eine Scheiße, keine Kantenglättung, bekackte Weitsicht!”, den sollte man zur Strafe auf eine Buchvorlesung von Eva Hermann schicken. Dafür, dass das Spiel schon 15 Jahre auf dem Buckel hat, ist es enorm Detailreich. Man besucht Städte, Wälder, Wüsten, Schlösser, Roboterfabriken und vieles mehr. Alles in verschiedenen Epochen, die sehr stimmungsvoll dargestellt werden. Auch die Animationen sind vielfältig und erzeugen besonders im Kampf ein schnelles Schlachtgefühl. Und das alles 1995? Ich wünschte ich hätte diese Konsolengeneration noch aktiv mitbekommen, ich wäre wahrscheinlich begeistert gewesen.
Heute muss man zunächst vom hohen Ross der HD-Grafik runterkommen, sich auf 2D-Iso-Sicht einstellen und ein bisschen enthusiastisch herangehen. Dann kann man das Spiel in vollen Zügen genießen. Es bleibt noch zu sagen, dass die Charaktermodelle und Zeichnungen von Akira Toriyama stammen, dem Erfinder und Zeichner der Dragonball-Mangas. Da ich Fan dieser Serie bin und seinen Zeichenstil sehr mag, ist das natürlich noch ein weiterer Pluspunkt.

Fazit
Über Chrono Trigger wurde schon endlos viel geschrieben und geschwärmt, deswegen hier ein rein persönliches Fazit: Ich bin froh, dass ich dieses Spiel noch für mich entdecken konnte. Es hat mich trotz seines Alters für Stunden an den Bildschirm gefesselt und ich kann allen, die nur ein bisschen was für Retro-Gaming übrig haben, nur empfehlen, sich dieses Juwel mal anzusehen. Es wartet ein toller Trip durch die Zeit.

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